Kategorie: Unser Tipp

„Medea muckt auf“ in Dresden

Medea ist wieder im Gespräch. Unter dem Titel „Medea muckt auf“ zeigen jetzt die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Lipsiusbau eine Sonderschau. Sie versammelt Werke von 36 Künstlerinnen und -gruppen aus dem sozialistischen Osteuropa, darunter auch Dresdnerinnen wie Angela Hampel und Hanne Wandtke. Neben Fotos, Videos, Kostümen und Skulpturen sind vor allem Bilder zu sehen. Darunter der abgebildete Text von Karla Woisnitza zum Medea-Mythos.Weitere Infos zur Ausstellung: medea muckt auf

 

Eva-Maria Hagens Gemälde von Medea hing 2018 in einer Sonderschau in der Dresdner Galerie von Holger John in der Inneren Neustadt. Foto: Una Giesecke

Schweizer Autorin sprach in Dresden über Frauengesundheit

Es war ein stürmischer Herbstabend, und doch fanden über 20 Frauen den Weg durch den Regen am Sonntag in die Prießnitzstraße. Das Frauen- und Mädchengesundheitszentrum MEDEA (FMGZ) in Dresden bildete am 23. September eine Station der Lesereise von Rina Nissim. Die Bücher der Schweizer Autorin zur Naturheilkunde in der Gynäkologie, zu Wechseljahren und Sexualität von Frauen sind mittlerweile Klassiker der weltweiten Selbsthilfebewegung. Deren Geschichte erzählte die Heilpraktikerin in ihrem Vortrag und stellte ihr jüngstes Buch „Eine zeitgemäße Hexe – Frauen und Gesundheit“ vor.

Rina Nissim stellte ihr Buch zu Geschichte und Aktuellem in der weltweiten Selbsthilfebewegung vor. Foto: Una Giesecke

Rina Nissim stellte ihr Buch zu Geschichte und Aktuellem in der weltweiten Selbsthilfebewegung vor. Foto: Una Giesecke

Warum Hexe? Die Frage beantwortete Rina Nissim gleich selbst: „Noch vor 200 Jahren wäre ich sicher als solche auf den Scheiterhaufen gekommen: Ich lebe ohne Mann, weiß einiges über Medizin und Pflanzen, ich teile mein Wissen aus freien Stücken mit anderen, und ich bin an der Spitze sozialer Bewegungen zu finden, das genügte.“

Im Laufe des Abends zeichnete die Mitgründerin des Genfer Frauengesundheitszentrums die Vorgeschichte und Anfänge von Selbsthilfegruppen in den Siebzigern nach, die in der Schweiz, Frankreich, Belgien und Deutschland ihre Gesundheit selbst in die Hand genommen hatten und nach dem Motto „Mein Bauch gehört mir“ ihren Körper mithilfe von Spiegel und Lampe selbst untersuchten. In diesen Gruppen verbreiteten sich Wissen und Mittel zu Verhütung, Abtreibung und alternativen Wegen und Methoden der Heilung von chronischen Erkrankungen. Dieser Austausch von Erfahrungen und Kenntnissen stärkte das Selbstbewusstsein der Frauen. „Wir sind viele und als Verbraucherinnen mächtig, wenn wir zusammenhalten“, resümierte Nissim. „Je mehr krankmachende Faktoren wir kennen, umso mehr können wir dagegen tun.“

Mit Blick auch auf aktuelle Situation in Deutschland konstatierte die Schweizerin, hier wachse eine neue Generation heran, die sich gegen Machtverhältnisse in Beruf und Familie oder Gewaltausübung durch gesellschaftliche Normierung und Wirtschaftsinteressen, auch in der Gynäkologie, zur Wehr setze. „Seien es spirituelle, anarchistische oder naturheilkundlich interessierte Kreise – da ist was am Brodeln.“

Rina Nissim: Eine zeitgemäße Hexe. Frauen und Gesundheit – Zur weltweiten Selbsthilfebewegung, Aus dem Französischen von Alice Holzer, Nachwort von Dagmar Schultz zur aktuellen Situation in Deutschland, Christel-Göttert-Verlag 2018, ISBN 978-3-939623-68-7; 240 Seiten, S-W-Abb., 17 Euro

Buchvorstellung

Rina Nissims Bücher zur Naturheilkunde in der Gynäkologie, zu Wechseljahren und Sexualität von Frauen sind Klassiker der weltweiten Selbsthilfebewegung. Deren Geschichte erzählt die Heilpraktikerin nun in ihrem neuesten Buch „Eine zeitgemäße Hexe – Frauen und Gesundheit“. Das Nachwort wirft einen Blick auf die aktuelle Situation in Deutschland. Rina Nissim liest, signiert und beantwortet Fragen aus dem Publikum.

So., 23. September, 19 Uhr, im FMGZ, Prießnitzstr. 55, Eintritt frei, Spenden erbeten