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Sozial aus der Krise

Am 13.7. folgten unsere Mitarbeiterinnen Franziska Miksch und Angelika Römmermann der Einladung der Stadtratsfraktion DIE LINKE, mit der Bürgermeisterin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen, Frau Dr. Kaufmann, und der Stadträtin Pia Barkow zur soziale und gesundheitliche Lage der Frauen, Mädchen und Familien in Dresden zu diskutieren. Dreh- und Angelpunkt waren die Auswirkungen der Coronapandmie, die wir in unserer Arbeit wahrnehmen und der Austausch zu Maßnahmen, die den bereits sichtbaren negativen Folgen der Pandemie – wie Anstieg depressiver Symptome, soziale Ängste und Zunahme von Gewalt – entgegensteuern können.

Im Rahmen dieser Veranstaltung übergab Frau Römmermann der Bürgermeisterin auch die Forderungen an die Kommunalpolitik, die das Fachpublikum im Rahmen des Fachtages „Müttergesundheit“ des Netzwerkes Frauengesundheit in Kooperation mit der EAF Sachsen am 16.5.21 aufstellte.

Ein Video der Veranstaltung „Sozial aus der Krise“ kann unter folgendem Link aufgerufen werden.

Trägt der „Nutri-Score“ zu gesunder Ernährung bei?

verschiedenes Obst und Gemüse

Eine Cola Light enthält null Nährwert, dafür Wasser, synthetische Süßstoffe, Farbstoffe und Aromen – trotzdem kann sie als Nutri-Score ein grünes B bekommen. Ein naturtrüber Bio-Apfeldirektsaft dagegen nur ein gelbes C, weil rein rechnerisch der Kaloriengehalt bei Diät-Cola geringer ist als bei Fruchtsaft.

Konventioneller aromatisierter und mit Zuckeraustauschstoffen gesüßter Erdbeerjoghurt schneidet beim Nutri-Score besser ab als ein Bio-Fruchtjoghurt, dessen Geschmack aus echten Früchten stammt, die aber von Natur aus eine bestimmte Menge Fruchtzucker enthalten.

Wie aussagekräftig ist der Nutri-Score?

Entwickelt von ErnährungswissenschaftlerInnen in Frankreich, kann er seit November 2020 bei uns verwendet werden. Im Bio-Laden ist er bisher kaum zu finden, aber immer häufiger im Supermarkt und dort auch auf Bio-Produkten.

Der Nutri-Score übersetzt Nährwerte eines Produktes in Farben, ähnlich einer Ampel. Das soll helfen, gesünder einzukaufen und ausgewogener zu essen. Heißt: Je roter, desto seltener. Er ermöglicht den schnellen Vergleich ähnlich verarbeiteter Produkte. Die Skala startet beim grünen A und geht bis zum roten E. Wie die klassische Nährwertkennzeichnung auf der Rückseite der Verpackung bezieht sich der Nutri-Score auf 100 g bzw. 100 ml des zu Grunde liegenden Produkts.

Bei der Berechnung wirkt sich der Anteil von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen positiv aus, aber der Ballaststoffgehaltwird nur bis zu einem Anteil von 4,7 Prozent positiv gewertet. Alles darüber wird nicht mehr berücksichtigt. Gerade bei Pasta, Keksen und Snacks setzen Bio-Hersteller aber oft auf Vollkornqualität.

Der Anteil von Kernen und Ölsaaten wie Sesam- und Leinsaat wird nicht positiv berücksichtigt, sondern wegen des Fettgehalts negativ. Pluspunkte gibt es nur für Oliven-, Raps- und Walnussöl, nicht für andere wertvolle Öle wie Lein- oder Kürbiskernöl in Aufstrichen und Feinkostsalaten.

Negativ schlagen Zucker, gesättigte Fettsäuren, Salz und ein hoher Kaloriengehalt zu Buche.

Hinzu kommt: Bio lässt aus Überzeugung weg. Nämlich alles, was zu weit weg ist von echten Lebensmitteln. Dazu zählen insbesondere die meisten der über 300 in der EU erlaubten Zusatzstoffe. Sind z.B. synthetische Süßstoffe, Geschmacksverstärker und Aromen enthalten, führt dies nicht zu einer Abwertung.

Der Verzicht auf Gentechnik, synthetische Pestizide und Dünger bei Bio-Produkten wird nicht honoriert. Der Grad der Verarbeitung spielt keine Rolle. Insgesamt führt das zur Benachteiligung von Bio-Produkten.

Ob mit Nutri-Score oder ohne: Wer wissen will, was alles drin ist, checkt am besten Zutatenliste und Nährwerttabelle, die für jedes verpackte Lebensmittel Pflicht sind. Denn gesunde Ernährung lässt sich nicht auf eine farbige Buchstabenleiste reduzieren. Trotzdem macht „Essen nach Farben“ durchaus Sinn, wenn nämlich je nach Saison eine bunte Mischung im Einkaufswagen landet: grüner Spinat, rosaroter Rhabarber, orangefarbene Möhren und weißgelber Chicorée zum Beispiel.

Psychische Gesundheit von Frauen – ein Überblick anhand des RKI-Frauengesundheitsberichtes

„Frauen sind häufiger von Depressionen und Essstörungen betroffen als Männer“ – lautet die erste Aussage im Frauengesundheitsbericht des RKI unter Punkt 2.1.7. „Psychische Gesundheit“.

Nach Daten der AOK stiegen die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen von 11,1 % im Jahr 2008 (Männer: 6,3 %) auf 14,3 % im Jahr 2017 (Männer: 8,6 %) an. Mehr Arbeitsunfähigkeitstage bei Frauen entstehen nur durch Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes (20,8 %). Ebenso stieg die Zahl der Frühberentungen aufgrund von psychischen- und Verhaltensstörungen von 19.950 im Jahr 2000 auf 42.677 im Jahr 2015 – mehr als eine Verdopplung trotz insgesamt sinkender Zahlen von Renten aufgrund verminderter Erwerbsfähigkeit.

Psychische und Verhaltensstörungen verursachen somit die höchsten Krankheitskosten bei Frauen mit 27,7 Milliarden Euro und einem Gesamtkostenanteil von 14,6 %.

Wo könnten die Ursachen dieser Entwicklung liegen?

An der Entstehung psychischer Störungen sind verschiedene Faktoren beteiligt. Frauen unterliegen zum Beispiel phasenweise anderen biologischen Abläufen als Männer wie natürlichen hormonellen Schwankungen, Schwangerschaft oder Wechseljahren. Sie sind außerdem häufiger sozial benachteiligt durch Alleinerziehung von Kindern, geringere Einkommen und Renten und werden häufiger Opfer von Gewalterfahrungen als Männer. Frauen leben zudem über lange Phasen mit Mehrfachbelastungen (ca. 82% der 40- bis 59-jährigen Frauen in Deutschland, lt. einer Studie des Allensbacher Meinungsforschung-Instituts).

Weitere Erklärungen weisen auf Unterschiede in der ärztlichen Diagnosestellung hin. Hierbei könnten unbewusste Geschlechterrollenbilder auf Seiten von ÄrztInnen von Bedeutung sein: So erhalten Frauen bei gleicher Symptomatik häufiger eine psychische, Männer hingegen eine somatische Diagnose.

Welches sind die häufigsten psychischen Störungen?

Depressive Störungen

Depressionen und depressive Symptome treten oft in Folge von oder zusammen mit körperlichen Erkrankungen, anderen psychischen Störungen, chronischem Stress oder lebensverändernden Ereignissen auf. Durch hormonelle Veränderungen zum Beispiel während der Schwangerschaft und nach der Geburt treten depressive Episoden zudem überproportional häufig auf. Die Prävalenz für arbeitslose Frauen ist deutlich höher als die der Berufstätigen. Ebenso verhält es sich bei Alleinerziehenden, Frauen mit niedrigerem sozioökonomischem Status und bei Frauen jenseits des 65. Lebensjahres.

Angststörungen

Angststörungen sind gekennzeichnet durch eine überdauernde, quälende Angst, bzw.  unangemessene Verhaltensweisen, die diese Angst verringern sollen. Es gibt situations- oder objektbezogene konkrete Ängste wie Platzangst und Tierphobie, oft vergesellschaftet mit körperlichen Symptomen wie Schwindel, Übelkeit, o.ä. Diese Ängste beeinträchtigen die Betroffenen nur bedingt. Dagegen massiv ist die Beeinträchtigung durch generalisierte, unspezifische Ängste und Panikstörungen, oft verbunden mit depressiven Störungen und Substanzabhängigkeit. 

Man geht davon aus, dass neurobiologische, genetische, hormonelle und psychosoziale Faktoren einen Einfluss auf die Entstehung von Angststörungen haben und als Erklärungsansatz für Geschlechterunterschiede herangezogen werden können.

Essstörungen

Sie lassen sich im Wesentlichen unterteilen in Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-/Brechsucht (Bulimie) und Binge-Eating-Störung (regelmäßig auftretende Essanfälle ohne gewichtsregulierende Maßnahmen). Häufig treten Essstörungen als Mischformen auf. Von Magersucht und Bulimie sind insbesondere heranwachsende Mädchen und junge Frauen betroffen (28,9% der Mädchen und 15,2% der Jungen im Alter von 11 bis 17 Jahren). Bei Frauen beträgt die 12 Monats-Prävalenz der Magersucht 1,2%. Die Wahrscheinlichkeit an Magersucht zu versterben, beträgt 5,5%. Sie hat damit die höchste Letalitätsrate unter allen psychiatrischen Erkrankungen. Genetische, neurobiologische, individuell-psychologische und soziokulturelle Einflüsse, sowie Schlankheit als gesellschaftlich vermitteltes Schönheitsideal oder mangelnde innerfamiliäre Abgrenzung tragen zur Krankheitsentstehung bei.

Substanzabhängigkeit/ Abhängigkeitsstörungen

Bei den psychi­schen und Verhaltensstörungen durch psycho­trope Substanzen wird unterschie­den zwischen Alkohol, Opioiden, Cannabinoiden, Kokain, Stimulanzien, Halluzinogenen, flüchtigen Lösungsmitteln (Schnüffelstoffe), Tabak, Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie multiplem Substanzgebrauch und dem Konsum sons­tiger psychotroper Substanzen. Die Abhängigkeit von Schmerzmitteln, Schlafmitteln und Beruhigungsmitteln ist bei Frauen im mitt­leren Erwachsenenalter am höchsten. Substanzkonsum bei Frauen dient häufig der seelischen Entlastung sowie dem Erhalt der Funktionsfähigkeit, z. B. aufgrund von Belastun­gen in Beruf und Familie.

Suizid 

Von allen Suiziden werden 65 % bis 90 % durch psychische Erkrankungen verursacht, häufig durch Depressionen. 2017 starben in Deutschland 2.251 Frauen durch Suizid (Männer 6.990). Suizidversuche sind bei Frauen, vor allem jün­geren, häufiger als bei Männern. Die Anzahl der vollzogenen Suizide ist bei Männern höher, was u. a. mit der Wahl von gewalttätigeren Suizidmethoden zusammenhängt. Weitere Gründe für die Geschlechterunterschiede werden darin gesehen, dass psychische Erkrankungen bei Frauen eher diagnostiziert werden, sie sich eher Hilfe suchen und ihre Behandlungsbereitschaft stärker ausgeprägt ist.

Fazit

Obwohl eine Zunahme an Krankschreibungen und Frühberentungen in Deutschland aufgrund psychischer Störungen zu verzeichnen ist, kann diese in Studien nicht in Form gestiegener Prävalenzen gezeigt werden. Als mögliche Gründe werden die größere Bedeutung der psychischen Gesundheit in den Arbeits- und Lebenswelten, die gestiegene Aufmerksamkeit, die Enttabuisierung von Depression sowie eine Ver­änderung des Diagnose- und Krankschreibungs­verhaltens von Ärztinnen und Ärzten diskutiert – also eine (verhalten) positive Entwicklung.

Womit kann die psychische Gesundheit gestärkt werden?

Als Ressourcen und Schutzfaktoren für psychische Gesundheit gelten laut Frauengesundheitsbericht des RKI Wohlbefinden am Arbeitsplatz, gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen, die Wertschätzung für die geleistete Tätigkeit sowie ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit. Weitere Faktoren sind die Zufriedenheit mit Familien- und weiteren sozialen Beziehungen, soziale Unterstützung, Selbstwirksamkeit (Überzeugung, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können), Kohärenzsinn (positive Grundhaltung gegenüber der Welt und dem eigenen Leben) und Widerstandsfähigkeit (Resilienz).

Quelle:

Robert Koch-Institut (Hrsg) (2020) Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland.
Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von RKI und Destatis.
RKI, Berlin